Thema: Tinnitus

Allgemeines

Was ist Tinnitus? Unter Tinnitus versteht man Ohrgeräusche. Wenn Ohrgeräusche nur vom Erkrankten wahrgenommen werden, spricht man von einem subjektiven Tinnitus. Selten können Ohrgeräusche mit speziellen Geräten auch vom Arzt wahrgenommen werden, z.B. bei Gefäßverengung in der Nähe des Innenohrs. Die Geräusche können konstant, anfallsweise oder intermittierend auftreten. Man unterscheidet pulssynchrone und non-pulsative Geräusche. Die Geräusche werden als Brummen, Piepen, Klingeln, Rauschen, Pfeifen oder Zischen beschrieben. Kompensiert ist ein Tinnitus, der den Erkrankten in seiner Lebensführung nicht sehr beeinträchtigt. Bei dekompensiertem Tinnitus besteht ein hoher Leidensdruck. An chronischem Tinnitus leiden etwa 4% der Erwachsenen. Zunehmend tritt Tinnitus auch bei jungen Menschen auf, wenn diese über längere Zeit Lärm ausgesetzt waren (Disco).

 

Ursachen

Aus der Art des Geräuschs kann man Rückschlüsse auf die jeweilige Ursache ziehen. Brummende, klingelnde und rauschende Geräusche entstehen meist durch eine Mittelohrentzündung. Zischende und pfeifende Geräusche können durch eine Innenohrerkrankung, Hörsturz, akustisches Trauma, Akustikusneurinom (Tumor des Hörnervs), Arsenvergiftung oder Morbus Meniere entstehen. Pulssynchroner Tinnitus wird meist durch Durchblutungsstörungen wie Stenosen, Aneurysma oder Hypertonie verursacht. Auch bei Trommelfelldefekt, Hirnhautentzündung oder Multipler Sklerose kann Tinnitus auftreten. Die Geräusche können im Hörnerv, im Gehirn oder durch Streß verursacht werden.

 

Symptome

Der Betroffene hört Töne und Geräusche, die außer ihm selbst meist niemand anderer wahrnehmen kann. Die Geräusche können kontinuierlich oder intermittierend auftreten. Tinnitus verursacht meist noch weitere Symptome wie Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Schwindel, Muskelverspannungen, Zähneknirschen und Ohrensausen.

 

Diagnose

Im Rahmen der Anamnese klärt der Arzt Art und Häufigkeit der Geräusche ab. Als weitere diagnostische Maßnahmen können HNO-Untersuchung, Hörtests, Prüfung des Paukendrucks im Ohr, Funktionsprüfung der Gehörknöchelchen, Hirnstammaudiometrie (Prüfung des Hörnervs) und eine Gleichgewichtsprüfung durchgeführt werden. Durch Bestimmung von Antikörpern in Bluttests können Infektionen wie Masern, Borreliose oder Syphilis ausgeschlossen werden. Außerdem können Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT) des Schädels zur Abklärung einer eventuellen Gehirnbeteiligung durchgeführt werden.

 

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Wenn Ohrgeräusche neben Schwerhörigkeit auftreten, kann ein Hörgerät Abhilfe schaffen. Nach Beseitigung eines Ohrschmalzpropfs können Ohrgeräusche verschwinden. Bei akutem Tinnitus wird meist eine Infusionstherapie durchgeführt. Die Infusion einer mit Glukokortikoiden versetzten Zucker- oder Salzlösung soll die Sinneszellen im Innenohr aktivieren. Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie atmet der Tinnituskranke über eine Atemmaske reinen Sauerstoff ein, während er sich in einer Überdruckkammer befindet. Dadurch gelangt mehr Sauerstoff ins Blut und somit auch ins Innenohr. Die Wirksamkeit dieser Therapien ist nicht erwiesen. Zur Heilung von Tinnitus werden auch Psychotherapie und Entspannungstechniken wie Yoga und Autogenes Training eingesetzt. Die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) zielt darauf ab zu lernen, die Konzentration nicht mehr auf die Ohrgeräusche, sondern auf positive Dinge zu richten. Gegen Tinnitus wird Gingko biloba empfohlen, da dieser – auch auf die Sinneszellen des Innenohrs – durchblutungsfördernd wirkt. Aus der Homöopathie sind einige Mittel bekannt, die gegen Tinnitus helfen können. Dazu gehören Calcium carbonicum (Perlmutt), Carbo vegetabilis (Holzkohle), China officinalis (Chinarinde), Graphites (Kohlenstoff), Lachesis (Buschmeisterschlange), Lycopodium (Bärlapp), Petroleum (Steinöl) und Tabacum (Tabak). Als Selbsthilfe können Betroffene zuhause für Nebengeräusche sorgen, z.B. durch einen Zimmerbrunnen, Stressbewältigungstechniken ausüben und aktiv Hobbys und Kontakte pflegen, statt sich zu isolieren.

 
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